Mittwoch, 29. April 2015

Ein Wochenende mit Zuckerguss

Merhaba!

Über das Wochenende war Emely zu Besuch bei mir. Sie ist auch eine deutsche Austauschschülerin, wohnt aber in Istanbul. Wir haben uns auf dem ersten AFS-Wochenende, der Auswahl, kennengelernt und seitdem alle Vorbereitungen, auch die Stipendienfeier von Mercator und eben alle Camps hier zusammen gehabt.

Donnerstagabend habe ich sie vom Flughafen, den sie total niedlich fand (ist eben ein bisschen kleiner, als der in Istanbul), abgeholt. Zuhause haben meine anne und mein baba auf uns gewartet. Meine anne besteht normalerweise immer darauf, dass wir Austauschschüler untereinander Türkisch sprechen und sie hat sogar schon einmal ein Mädchen zum Weinen gebracht, weil deren Türkisch eben nicht so gut wie meins war, was aber auch einfach daran lag, dass sie zu faul zum Lernen war. 
Auf jeden Fall hatte Emely schon so ein bisschen Bedenken, wie das so wird (ich auch, um ehrlich zu sein). Meine anne war aber total süß und hat sich richtig darüber gefreut, dass Emely gekommen ist. Ich habe meistens ein bisschen übersetzt oder meine anne hat ihr eben etwas mit vielen Gesten erklärt. Und wenn wir Deutsch gesprochen haben, hat sie uns nur ganz fasziniert angeschaut.
Nach dem Essen hat meine anne dann Börek gemacht und wir haben ihr auch geholfen. Später saßen wir noch in der Küche, haben Tee getrunken, Kekse und Börek gegessen und uns unterhalten. Irgendwann gegen halb 3 haben wir dann auch geschlafen.

Am nächsten Morgen sind wir nach dem Frühstück nach Ziyapaşa gefahren, das Stadtzentrum. Obwohl für mich irgendwie alles Stadtzentrum ist, weil ich ja eher auf dem Dorf wohne. Aber dort gibt es auf jeden Fall viele Läden, niedliche Cafes und einen schönen Park.



Dann sind wir noch nach Barajyolu, eine lange Straße, in der man eher billige (und größtenteils gefälschte) Sachen kaufen kann und in der es vor allem türkisches Essen zu kaufen gibt. Abends saßen wir noch ein bisschen im Garten, das Wetter ist im Moment nämlich wirklich schön und eigentlich viel zu schade, um drinnen zu sein.


Samstag mussten wir leider früh aufstehen (nach viel zu wenig Schlaf). Nach dem Türkischkurs sind wir mit meinen Eltern zu der Gastfamilie eines Italieners gefahren. Er war zwar nur für drei Monate hier, aber wir sind immer noch gut mit seiner Familie befreundet. Dort haben wir gegessen und saßen dann noch zusammen, die Erwachsenen haben sich unterhalten und wir haben Tee getrunken - typisch türkisch eben. Sowieso haben wir dieses Wochenende ziemlich viel gegessen, was ja aber auch typisch türkisch ist.





Danach sind wir noch zu einem Pazar gefahren, auf dem es alles Mögliche zu kaufen gibt.

Den Sonntag haben wir nochmal genutzt, um ihr viel von Adana zu zeigen. Erst sind wir zu einem Dorf gefahren, dass in der Nähe des großen Sees liegt. Dort wohnen anscheinend Freunde meiner Eltern und die haben wir kurz besucht.




Die Frauen waren gerade dabei, Yufka zu machen, das ist eine Brotart, die hauchdünn ist.








Wir haben Sıkma gegessen, mit Käse gefüllte Teigfladen, dazu gab es Oliven und selbstgemachten Joghurt.




  
Für die Leute dort sah ich wahrscheinlich aus wie ein Stadtkind, dass zum ersten Mal ein Kälbchen streichelt. Dabei bin ich doch eigentlich ein Dorfkind, dass sich einfach freut, Kühe und Küken zu sehen. Ich fahre hier immer gerne aufs Dorf, auch wenn die Dörfer hier schon anders als die in Deutschland sind.



Danach sind wir am See entlang zurück in die Stadt gefahren. Auf dem Weg haben wir angehalten, um Erdbeeren zu pflücken.















Als nächstes haben uns das Atatürkhaus und ein kleines Filmmuseum angeschaut.








Zum Schluss sind wir zu einer Moschee gefahren, die in meinem Lieblingspark liegt.









Wir hatten pinke Zuckerwatte, davon kann man nicht zu viele Fotos haben, tamam?

Wie meine Mama sagen würde: Es war ein Wochenende mit Zuckerguss! 


















Sonntag, 22. März 2015

Lieblingslieder

Merhaba!

İch dachte, ich erzaehl heute gar nicht mal gross was, sondern zeıge euch einfach mal meine 10 türkischen Lieblingslieder. İch weıss, dieser Musikstil ist etwas gewöhnungsbedürftig, ich fand türkische Musık anfangs auch ganz schrecklich. İnzwischen höre ich sie aber oft und gerne :-)

Berkay - Gel Gel
Das Lied hat mal eine Band ın eıner Bar gespielt, in der ıch mıt meiner Gastschwester war und danach haben wir es die ganze Zeit gesungen. İnzwischen ist es irgendwie ''unser Lied' geworden und vor kurzem waren wir sogar auf einem Konzert.


Cem Belevi - Günaydın Sevgilim


Hande Yener - Naber
Von dem Lied habe ich vor kurzem den Refrain gelernt und so lange immer wieder in der Schule gesungen, bis meine Freundin beschlossen hat, dass es an der Zeit ist, mir ein neues Lied beizubringen. Es finden auch alle immer wieder witzig, wen ich anstatt 'malum'(bekannt, klar) 'maymun' (Affe) singe.
''Naber'' heisst übrigens ''Wie gehts?'' und wenn das wer fragt, antworten die Maedchen aus meiner Klasse und ich schon gar nicht mehr normal, sondern fangen sofort an zu singen :D 


Hadise - Prenses


Ozan Doğulu ft. Ece Seçkin - Hoşuna mı gidigor


Berkay - En azından
Nachdem Ezgi meinte, ich solle eın anderes Lied singen, war dieses an der Reihe. Es gibt eine Stelle, an der es 'Belki özledim, belki özledim' heısst - so ziemlich der einzige Teil, den ich von diesem Lied singen kann. Eine Schulpause spaeter und meine Freundin war mit den Nerven am Ende. Es ist aber auch einfach so ein Ohrwurm, da kann ich ja nichts für.


Atiye - Uyan da gel
Tarkan - Şımarak
Ein Lied von Tarkan darf natürlich nicht fehlen. İch glaube, das ist so eıner der bekanntesten türkischen Saenger. Jedenfalls werde ich dauernd gefragt, ob ich ihn kennen würde. Und nein, bis vor kurzem hatte ich null Ahnung, wer das ist.
Aber mal an alle, die Türkisch für Anfaenger geschaut haben: İst das Lied in einer Szene drin oder irre ich mich?


Gökhan Tepe - Gelsen de anlatsan


Ayşe Hatun Ömal - Güm Güm
Und zum Schluss: Das aktuelle Lieblingslied meiner Schwester!


Samstag, 21. März 2015

Noch 100 Tage . . .

''Und nach der Halbzeit ist euer Auslandsjahr eigentlich schon vorbei.''
Ja, das waren weise Worte  von einem der Betreuer auf meinen AFS-Vorbereitungen. İch haette  nie gedacht, dass meine Zeit hier so schnell vorbeigeht. Jetzt sind es noch 100 Tage bis . . . Ja, bis was eigentlich? Bis es nach Hause geht? Aber hier ist doch auch mein zuhause.

İnzwischen wird mir immer öfter bewusst, wie sehr ich dieses Land, die Menschen und dıe Kultur hier eigentlich liebe. Auch wenn ich mich eın ganz kleines bisschen auf Deutschland (und vor allem auf das Brot!) freue, möchte ich doch eigentlich gar nicht weg. İch glaub, ich habe Hierbleibweh. Falls es so etwas überhaupt gibt.

Was ich mit diesem Post eigentlich sagen will? İch weiss es nicht. İch hab irgendwie einfach drauflos geschrieben. Dachte, ich meld mich mal wıeder. So regelmaessig (ıch sitze gerade am Laptop meiner Freundin und der hat natürlıch eıne türkische Tastatur also nicht wundern) lade ich ja keine Videos mehr hoch und bloggen tue ich auch eher selten. Dabei habe ich noch so einiges vor. Nur sollte ich damit vielleicht so langsam mal anfangen. 
Aber ich bin inzwischen halt ein bisschen Türkisch geworden und ''Schauen wir dann mal'' ist inzwischen fest in meinen Wortschatz übergegangen.

Auch wenn ich mich in der ein oder anderen Weise angepasst habe, bin ich doch immer noch so, wie vor ungefaehr 6 Monaten. Das heisst: Ich schreibe immer noch gerne To-Do-Listen. Und hier habt ihr jetzt meine 
'Was-ich-unbedingt-noch-machen-muss-bevor-es-wieder-nach-Almanya-geht'-Liste:

  • eine türkische Hochzeit besuchen
  • die pinke Zuckerwatte essen,  die überall verkauft wird
  • mir ein Tattoo (mit Bedeutung!) stechen lassen.Ich weiss zwar schon genau, welches Motiv und wohin aber das erlauben mir meine Eltern eh nicht. Trotzdem hoffe ich erstmal weiter. . .
  • nach İstanbul fahren
  • und ans Meer
  • ein türkisches Buch lesen (İch hab jetzt zwar mein erstes Buch AUF Türkisch gelesen, aber das ist von einer deutschen Autorin und in Deutschland habe ich es schon so gelesen gehabt, dass ich es fast auswendig konnte)
  • endlich vor Schulbeginn die Nationalhymne mitsingen können

Um ehrlich zu sein: Viel mehr hab ich gerade eigenlich gar nicht vor. Ausser halt die letzten 100 Tage geniessen. Das Beste draus machen. Glücklich sein.

Mittwoch, 4. März 2015

Erciyes und Kayseri [besser spät als nie]

Merhaba :-)

Mir ist gerade aufgefallen, dass ich nie die Fotos von unserem Ausflug nach Kayseri gepostet habe. Vielleicht haben es manche ja im Vlog gesehen, falls nicht, findet ihr das Video hier.
Irgendwann Mitte Januar sind ein paar der AFSer zusammen mit so einer Reisegruppe nach Kayseri gefahren. Vorher haben wir noch einen Halt in Erciyes gemacht, wo wir Schlitten bzw. Ski fahren konnten. Es war einfach ein toller Tag mit wunderschönem Wetter und deswegen dachte, ich zeig euch nochmal die Fotos.








Schon wieder Tanzen im Bus. So gehört sich das halt.







Oh okay, dann werfe ich mein Handy halt nicht raus. Schade eigentlich.










Es war einfach wirklich so unglaublich schon. Und ja, wir machen gerne Selfies.













Mittwoch, 25. Februar 2015

Midstay-Camp in Antalya

Merhaba :-)

Es ist schon wieder eine Weile her, seit ich das letzte Mal hier etwas geschrieben habe. Und das nächste Video wartet auch noch darauf, geschnitten zu werden. Aber irgendwie komme ich sogar nicht dazu..

Vom 11.-15.02 hatte ich mein vorletztes AFS-Camp in Antalya. Ich habe mich so gefreut, die ganzen anderen Austauschschüler wieder zu sehen :-) Irgendwie werden die Camps immer besser, weil wir uns ja mit jedem Treffen mehr kennenlernen. Die Volunteers waren auch alle total nett und cool drauf.
Also arkadaşlar, geht mit AFS ins Ausland, ihr werdet es nicht bereuen! :-)

Wir mussten dieses Mal den Türkischtest schreiben, über dem die meisten sich schon auf dem letzten Camp Sorgen gemacht haben, So schwierig war er aber gar nicht und ich habe auch eine relativ gute Punktzahl bekommen :-)

Ansonsten hatten wir natürlich wieder viele Sessions, in denen es hauptsächlich um unsere Probleme hier ging. Natürlich tun mir die leid, die es wirklich nicht einfach mit ihrer Familie, der Sprache oder in der Schule haben aber irgendwie merke ich dann immer, wie viel Glück ich doch habe. Ich habe nämlich so gut wie nichts zu erzählen, schließlich ist meine Familie perfekt, in der Schule komme ich mit allen super klar und Türkisch kann ich inzwischen auch sprechen.
Viele der Austauschschüler haben ihre Familie schon gewechselt oder denken ernsthaft darüber nach. Und ich? Ich fange an zu heulen, wenn ich darüber nachdenke, dass ich in weniger als 5 Monaten wieder in Deutschland bin.
Das hört sich vielleicht übertrieben an, aber ich musste wirklich weinen. Auf dem letzten Camp musste jeder von uns einen Brief an sich selber schreiben und die Briefe haben uns die Volunteers dann in Antalya wieder gegeben. Und wie ich dann diesen Brief in der Hand hielt, den ich 51 Tage nach meiner Ankunft geschrieben habe, kamen mir einfach die Tränen. 
Ich bin einfach so froh über meine Familie und weiß sie wirklich zu schätzen.


Falls sich irgendwer fragt, was wir eigentlich so auf unseren Camps machen :D










Am vorletzen Tag ging es weniger um unsere eigenen Probleme als um ein viel wichtiges Thema: Unsere Welt und wie unfair das Leben doch ist. Wir haben darüber geredet, wie viele Menschen hungern müssen, in schlechten Verhältnissen leben und wie ungleich vieles doch verteilt ist. Dazu wurde uns auch ein kurzes Video gezeigt.



Ich finde es wirklich gut, auch über solche Themen in den Camps zu sprechen, auch wenn solche Sessions natürlich nicht so witzig sind.

An einem Tag sind wir nachmittags zum Strand gegangen und glücklicherweise war das Wetter schön und sonnig, nicht so verregnet wie am letzten Tag.














Die Austauschschüler aus Adana :-)


Am letzten Tag sind wir morgens früh aufgebrochen. Also zumindest hatten wir das vor. Aber erstens war es ein Afs-Wochenende und zweitens sind wir hier in der Türkei also wird das mit früh und pünktlich schon mal gar nichts. Auf dem Weg sind Flughafen haben wir uns dann einen Wasserfall und ein paar historische Plätze angeschaut, von denen ich leider nicht weiß, wie sie heißen und deswegen auch nichts dazu erzählen kann, also freut euch einfach über die Fotos :D










Dann wurden wir aus Adana am Flughafen abgesetzt und die anderen haben sich noch das Stadtzentrum angeschaut. Unser Flug ging nämlich leider früher als die der anderen und so haben wir dann noch 2 endlos lange Stunden am Flughfen gewartet, bis es endlich zurück nach hause ging.

Als meine Familie mich von Flughafen abgeholt hat, habe ich auch wieder gemerkt, wie lieb ich sie habe. Mein baba hat mich zur Begrüßung umarmt, mir ein Küsschen auf den Kopf gedrückt und meinte, dass sie mich vermisst hätten. Meine anne hat mich ja sowieso wieder die ganze Zeit geknuddelt und ich glaube, auch meine Gastschwester hat sich gefreut, mich wieder zu sehen :-)

Also dann, bis irgendwann :-)



Mittwoch, 28. Januar 2015

Halbzeit

Woah. Halbzeit. Ich bin jetzt 145 Tage und ein paar Stunden hier und in genau dieser Zeit werde ich schon wieder im Flugzeug auf dem Weg nach Deutschland sitzen. So wirklich glauben kann ich das nicht.

In dieser Zeit habe ich so viel erlebt. Ich habe eine neue Familie gefunden, tolle Menschen getroffen, neue Freundschaften geschlossen, lustige Sache unternommen, wunderschöne Orte gesehen, eine ganz neue Sprache gelernt und mich in eine völlig andere Kultur eingelebt.

Ich habe gelacht, geweint, Witze gemacht, Freunde getröstet, war anfangs unglaublich aufgeregt und nervös und irgendwann einfach nur erleichtert, habe mich gefreut und einfach den Augenblick genossen.

Ich bin ein anderer Mensch geworden. Irgendwie. Natürlich bin ich immer noch die gleiche Person, wie vor fünf Monaten. Aber ich habe mich auch verändert.

In Deutschland war ich was manche Sachen angeht einfach . . . Naja, deutsch eben. Ich habe es gehasst zu spät zu kommen, habe immer alles vorausgeplant (auch, wenn ich mich im Endeffekt oft doch nicht daran gehalten habe - aber Hauptsache, erstmal eine ToDo-Liste haben). Ich war oft unsicher und hatte Komplexe. Hab mir immer viel zu viele Gedanken über alles mögliche gemacht.

Jetzt bin ich viel entspannter. Ich entscheide spontan, wie wann wo ich mich mit Freunden treffe. Darüber was andere denken, mache ich mir keine Sorgen, einerseits weil mich hier eh alle süß und hübsch finden (ich kann total fertig, unausgeschlafen und im Gammellook rumlaufen, selbst die wunderhübschesten Türkinnen jammern rum, dass sie doch so aussehen wollen wie ich :D ), andererseits weil es mir einfach nicht mehr so wichtig ist. 
Und auch wenn ich ein bisschen zugenommen habe, werde ich hier ganz bestimmt keine Diät machen. Ich bin schließlich eine Austauschschülerin, ich darf das. 
Wenn mich jemand kritisiert oder einen Spaß auf meien Kosten macht - sei es mein Türkisch, mein Gewicht oder irgendeine Kleinigkeit - nehme ich es mir nicht gleich so zu Herzen wie früher, sondern lache einfach mit.

Ich habe mich verändert. Und das ist gut so.

Bei einem Auslandsjahr geht es darum, zu Lernen. Lernen, wie man lebt.

 Für ein Jahr in die Türkei zu gehen war eine der besten Entscheidungen meines Lebens, und ich bereue es kein bisschen.
Und auch, wenn ich hier so unglaublich glücklich bin, fehlt ihr mir. Ich werde zwar jede Minute meines restlichen Auslandsjahres genießen, aber trotzdem freue ich mich auf den Moment, wenn ich aus dem Flugzeug steige und euch alle wieder knuddeln kann und um mich habe.